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10.05.10 Welt Online


Mehr als eine Million Deutsche erholen sich bei Kreuzfahrten
Buchungen aus dem deutschen Markt heraus steigen um 13 Prozent - TUI startet erstes "All-inclusive-Angebot" auch für Getränke
von Birger Nicolai

Das Geschäft mit Kreuzfahrten bleibt für deutsche Reiseanbieter zwar eine Nische, es wächst jedoch so stark wie kaum ein anderer Bereich im Tourismus. Im vergangenen Jahr lag das Plus bei den Buchungen bei 13 Prozent, und auch 2010 wird ein ähnlich hohes Wachstum erwartet. "Die Anbieter haben noch viel Potenzial. Wie schon in den vergangenen Jahren werden sie Pauschalreisende für Kreuzfahrten gewinnen. Nach unserer Einschätzung wird die Buchungszahl um zehn Prozent zunehmen", sagte Helge Grammerstorf, Geschäftsführer der auf Schiffsreisen spezialisierten Beratungsfirma Sea Consult, der WELT.
Im Jahr 2009 haben 1,02 Millionen Reisegäste eine Hochseekreuzfahrt aus dem deutschen Markt heraus gebucht. Ein Jahr zuvor waren es noch rund 900 000 Buchungen gewesen. Zum Vergleich: Im gesamten deutschen Reisemarkt gab es im vergangenen Jahr rund 75 Millionen Buchungen.
Zwar herrscht auf dem Kreuzfahrtmarkt ein harter Preiskampf unter den Reisekonzernen, der wirkt sich aber nicht auf die Erlöse aus. Denn ähnlich wie die Buchungszahlen ist auch der Umsatz der Branche gestiegen: Der lag nämlich bei rund zwei Milliarden Euro und damit um 14 Prozent über dem Vorjahreswert. Das hängt auch damit zusammen, dass die durchschnittliche Reisedauer mit 9,7 Tagen etwas länger war als im Vorjahr. Das Kreuzfahrtgeschäft gilt als lukrativer etwa als Pauschalreisen.
Größter Anbieter ist in Deutschland Aida mit derzeit sechs Kreuzfahrtschiffen, das Unternehmen gehört zum weltweiten Marktführer Carnival Cruises. Daneben sind Costa aus Italien und MSC aus der Schweiz stark vertreten. Hapag-Lloyd mit vier Schiffen bleibt wie schon seit Jahren im Markt der teuren und exklusiven Seereisen erfolgreich. Der Neustarter, TUI Cruises aus Hamburg, verfügt mit "Mein Schiff" erst über ein einziges Angebot. Allerdings soll dies erweitert werden. TUI hat sich für dieses Geschäft in einem Gemeinschaftsunternehmen mit der weltweiten Nummer zwei, Royal Caribbean, zusammengetan. Außerdem gehört zum Konzern auch Hapag-Lloyd Kreuzfahrten.
Um die Geschäfte anzukurbeln, startet TUI Cruises nun ein neues Angebot: Schiffsreisende können erstmals auch "all-inclusive" buchen. Neben den üblichen Dingen wie Essen, Unterhaltung und Aktivitäten an Bord sind dann nahezu sämtliche Getränke im Preis der Reise enthalten. Ausgenommen sind lediglich zwei besondere Restaurants sowie eine große Bar des Schiffs. Auch Landausflüge sowie Anwendungen im Wellnessbereich müssen noch separat bezahlt werden. "Das ist ein neuer Versuch, sich von der Konkurrenz abzuheben. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten", sagte Branchenkenner Grammerstorf. Normalerweise sind auf Kreuzfahrten Getränke nur in fest beschriebener Art und Umfang im Angebot enthalten - etwa zum Essen oder unter Ausschluss hochprozentiger Ware. Der Kunde erhalte dadurch Planungssicherheit, sagte Grammerstorf. "Auf der anderen Seite gibt es sicher auch Reisende, die nicht den Rausch der anderen mitbezahlen wollen und deshalb auf solch ein Angebot nicht eingehen werden."

Und noch ein Trend ist zu beobachten: Norddeutsche Häfen werden immer beliebter als Anlaufpunkt für die Kreuzfahrer. "Die Abfahrthäfen rücken überall näher an die Heimat der Kunden heran", sagte Grammerstorf. Wer auf Seereise geht, will keine allzu langen Anreisen zum Einstiegshafen - etwa per Flugzeug - in Kauf nehmen. Vor allem Kiel profitiert davon.
Hamburg zählt ebenso zu den Gewinnern, wenn auch weniger stark. "Hamburg hat endlich erkannt, dass Kreuzfahrer nicht nur stören, sondern auch ein Wirtschaftsfaktor für die Stadt sind", sagte Grammerstorf weiter. Zuvor war mehr darauf geachtet worden, dass die Schiffe die Abläufe der Containerschifffahrt im Hafen nicht beeinträchtigen sollen. Nun aber entstehe in Altona ein weiterer Terminal für Schiffsreisen.

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