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17.12.09 DasInvestment.com


Schiffskreuzfahrten auf der Erfolgswelle: „Verdoppelung der Passagierzahl bis 2018“

Von Markus Deselaers

Während die Stimmung bei Handelsschiffen und ihren Fondsanlegern trübe ist, kann die Kreuzfahrtbranche hierzulande auch in der Wirtschaftskrise weiter zulegen. Helge H. Grammerstorf, Branchenexperte und Inhaber der Beratungsfirma SeaConsult, über die Hintergründe.


Helge H. Grammerstorf


DAS INVESTMENT.com:
Die Zahl deutscher Hochseekreuzfahrt-Passagiere hat sich seit 2002 um mehr als 100 Prozent gesteigert, im vergangenen Jahr waren es über 900.000. Wie sieht es für 2009 aus?

Helge H. Grammerstorf:
Möglicherweise wird die Eine-Million-Marke bereits in diesem Jahr geknackt sein, spätestens aber 2010. Und der positive Trend wird sich wohl fortsetzen: 2018 dürften zwei Millionen deutsche Urlauber jährlich auf Hochseeschiffen eine Reise antreten. Interessant ist der internationale Vergleich: Insgesamt verzeichneten wir im Jahr 2008 weltweit rund 15,9 Millionen Passagiere. Davon stammten etwa 10,4 Millionen aus den USA und 4,4 aus Europa, die restlichen 1,1 Millionen vorrangig aus dem asiatischen Raum. Der deutsche Markt spielt daher bisher noch eine relativ kleine, aber für die Zukunft immer bedeutendere Rolle in der Kreuzfahrt. Nicht umsonst entdecken die internationalen Anbieter den deutschen Markt und lassen zum Beispiel ihre Schiffe hier taufen, um besondere Aufmerksamkeit zu bekommen.

DAS INVESTMENT.com:
Woher kommt denn die neue Lust am Schiff?

Grammerstorf: Immer mehr Urlauber sehen Schiffsreisen als Alternative zur Hotelbuchung. Die Kreuzfahrt vereint in erster Linie die Annehmlichkeiten eines qualitativ hochwertigen Hotels mit der Möglichkeit, verschiedene Ziele äußerst komfortabel zu bereisen. Das klassisch traditionelle Produkt Kreuzfahrt wurde unter anderem durch die Einführung von Clubschiffen um eine legere, aktive Urlaubsform mit einem vielseitigen An-Bord-Angebot erweitert. Hinzu kommt, dass erst rund ein Prozent aller deutschen Urlaubsreisenden das Erlebnis auf See für sich entdeckten. Es besteht daher großes Potenzial.

DAS INVESTMENT.com:
Dieses Potenzial dürfte wohl parallel zur demografischen Entwicklung in Deutschland zu sehen sein, wenn man sich das Durchschnittsalter bei Kreuzfahrten anschaut.

Grammerstorf: Ganz klar sind die Hauptzielgruppen für Kreuzfahrten die so genannten „Best Ager“. Im Hochseemarkt liegt das durchschnittliche Passagieralter bei 49 Jahren, im Flusskreuzfahrtmarkt bei 58 Jahren. Betrachtet man den Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland, ist erkennbar, dass die am stärksten vertretene Bevölkerungsgruppe am Beginn der Hauptzielgruppe für Kreuzfahrten steht und somit im Laufe der kommenden Jahrzehnte die Nachfrage maßgeblich beeinflussen wird.

DAS INVESTMENT.com:
Damit scheint aber das Ziel verfehlt, Kreuzfahrten auch bei jüngeren Urlaubern zu etablieren.

Grammerstorf: Die Kreuzfahrt entwickelt sich zu einer Urlaubsform, die mit verschiedenen Konzepten junge genauso wie ältere Gäste anspricht. Dennoch ist es wichtig, die Generation um die 50 nicht aus den Augen zu verlieren, da es sich dabei um einen stark wachsenden Bevölkerungsanteil mit hoher Kaufkraft und viel verfügbarer Zeit zum Reisen handelt. Außerdem sind die „Alten“ heutzutage körperlich fitter und deutlich mobiler, was ebenfalls beste Voraussetzungen fürs Reisen darstellt.

DAS INVESTMENT.com:
Was lassen sich deutsche Urlauber eine Kreuzfahrt kosten?

Grammerstorf: Im Hochseebereich knapp 2.000 Euro - die durchschnittliche Tagesrate liegt bei 200 Euro pro Tag, die Reisen dauern im Schnitt rund 9 Tage. Im Flusskreuzfahrt-Sektor liegt der durchschnittliche Tagespreis knapp 25 Prozent darunter, dort dauern die Reisen im Schnitt gut eine Woche. Im Jahr 2008 erzielte der deutsche Hochseekreuzfahrt-Bereich zirka 1,7 Milliarden Euro Umsatz, bei den Flusskreuzfahrten waren es 443 Millionen Euro.

DAS INVESTMENT.com: Spielen Rabattaktionen eine Rolle?

Grammerstorf:
In den unteren bis mittleren Preiskategorien ja. Es gibt gegenwärtig diverse Aktionen der Anbieter. Doch zeigen vor allem die Reisen des Luxussegments, ab 500 bis 1.000 Euro Tagesrate pro Person die stabilste Entwicklung. Das liegt auch an den Unterschieden, die der deutsche Kreuzfahrtmarkt beispielsweise gegenüber dem US-amerikanischen aufweist. Deutsche legen mehrheitlich Wert auf Exklusivität – ultragroße Schiffe, wie zum Beispiel die „Oasis of the Seas“, die Platz für 5.400 Reisende bietet, sind eher für die US-Klientel attraktiv. Auffällig ist aber, dass sich auch hierzulande die Kunden immer später für die Buchung einer Reise entscheiden, eine Entwicklung, die auf allen großen Märkten erkennbar ist. Grundsätzlich ist aber ein aufwärtsgehender Trend erkennbar. Während insbesondere das erste Quartal diesen Jahres eher rückläufige Buchungszahlen aufweist, so zieht das Geschäft nun deutlich an.

DAS INVESTMENT.com:
Kommen angesichts des Booms in der nächsten Zeit größere Kapazitäten an den Markt?

Grammerstorf: Bis 2012 wächst das Angebot moderat. Bis dahin sind weltweit 32 Hochsee-Kreuzfahrtschiffe in Bestellung, was einem Zuwachs bei den Passagierkapazitäten von 17 Prozent oder rund 67.500 Betten entspricht. Seit fünf Jahren wurden kaum kleinere und mittlere Hochsee-Kreuzfahrtschiffe gebaut, von den bis 2012 an den Markt kommenden Neubauten sind lediglich gut ein Viertel in der Größenklasse bis zu 750 Passagieren. Das Angebot insbesondere im Hochseebereich wird nach 2012 allerdings stark wachsen. Die Auswirkungen von Wirtschaftskrisen und Ereignissen wie 9/11 sind im Orderbuch immer um rund zwei Jahre verzögert sichtbar. Ab 2013 dürften deshalb die Ablieferungen von neuen Schiffen wieder zunehmen.

DAS INVESTMENT.com: Und im Binnenbereich?

Grammerstorf: Die europäische Flusskreuzfahrtflotte besteht gegenwärtig aus 210 Schiffen, ihre Zahl wird nach bisherigem Kenntnisstand bis 2012 auf 223 steigen, was einem Kapazitätszuwachs von rund 2.260 Betten gleichkommt.

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